a) Unflexible wehren sich
"Unter den EU-Staaten hat Portugal den höchsten Anteil an prekär
Beschäftigten. Initiativen wie Précarios Inflexiveis wehren sich gegen die
Zumutungen unsicherer Arbeitsverhältnisse. Nach Angaben der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) arbeitet rund
ein Viertel aller Beschäftigten in Portugal selbständig, in absoluten
Zahlen entspricht dies etwa 1,3 Millionen Personen. Zählt man diejenigen
hinzu, die von Leiharbeitsfirmen vermittelt werden oder nur über zeitlich
befristete Arbeitsverträge verfügen, erhöht sich die Quote auf über ein
Drittel aller Beschäftigten. Damit dürfte das kleine Land am Atlantik in
Europa Spitzenreiter sein ? in keinem anderen EU-Staat gibt es im
Verhältnis zur Bevölkerungszahl einen derart großen Sektor prekärer
Arbeit. Eine portugiesische Besonderheit ist dabei das System der
sogenannten Recibos Verdes, der grünen Quittungen. Ursprünglich dafür
gedacht, einfache Dienstleistungen etwa von Handwerkern zu quittieren,
haben sich die grünen Scheine zu einem wesentlichen Bestandteil der
Sozialversicherung entwickelt. Auf dem kleinen Formular werden die
Lohnzahlungen sowie die Beiträge für Steuern und die Sozialversicherung
festgehalten. Die Vorteile für die Unternehmer liegen auf der Hand:
Abgaben muss nur der Beschäftigte entrichten, bezahlt wird nur die
tatsächlich geleistete Arbeitszeit. Kranken-, Weihnachts- oder Urlaubsgeld
gibt es für die Prekären nicht. Zudem können sie von ihrem Chef jederzeit
gekündigt werden, auch von einer Stunde auf die andere" - so beginnt
"Gegen den grünen Schein" von Anton Landgraf in der Jungle-World vom 07.
Oktober 2010:
http://jungle-world.com/artikel/2010/40/41808.html
b) Generalstreik im November
"Deutschland feiert den Aufschwung, Europas Peripherie versinkt in der
Krise - Um die Stabilitätskriterien der EU zu erfüllen, verkündet die
portugiesische Regierung ein Sparprogramm, das vor allem bei den Armen
spart. Heute, pünktlich zum republikanischen Jahrestag, stehen Portugal
wieder stürmische Zeiten bevor. Die größte Gewerkschaft (CGTP) ruft für
Ende November zu einem Generalstreik auf. Nicht, um einen neuen Aufstand
vorzubereiten, sondern »um schlimmere soziale Unruhen zu verhindern«, wie
ihr Vorsitzender Carvalho da Silva versichert. Gründe für solchen Protest
gäbe es mehr als genügend, nachdem die Regierung vergangene Woche ein
hartes Sparpaket angekündigt hat. Der mittlerweile dritte »Plan für
Stabilität und Wachstum« (PEC), wie das fiskalische Massaker euphemistisch
benannt wird, kombiniert radikale Einsparungen bei Löhnen, Renten und
Sozialleistungen mit drastischen Steuererhöhungen. Insgesamt will die
Regierung von Ministerpräsident José Sócrates damit rund elf Milliarden
Euro sparen. Nur so könne das Land die EU-Stabilitätskriterien einhalten.
Die Tageszeitung O Publico hat vorgerechnet, wer hauptsächlich durch die
Krise belastet wird. Wer wenig besitzt, muss mehr zahlen, lautet die
einfache Diagnose. So müssen Banken und Investoren eine zusätzliche Abgabe
leisten, die gerade mal ein Zehntel des Sparprogramms ausmacht. Zwei
Drittel der Kürzungen fallen hingegen auf die sozial schwächsten
Bevölkerungsschichten zurück" - aus dem Kommentar "Wer wenig hat, der
zahlt am meisten" von Anton Landgraf in der Jungle-World vom 07. Oktober
2010:
http://jungle-world.com/artikel/2010/40/41809.html
c) Portugal, ganz europäisch: Rassismus
"Am härtesten trifft die Krise die Migranten. Sie verlieren als erste ihre
Jobs, die rassistische Diskriminierung nimmt zu. Zugleich emigrieren auch
viele Portugiesen. In den ehemaligen Kolonien Portugals erwarten sie
bessere Arbeitsbedingungen." SOS Rasicmo zufolge ist der politische
Diskurs seit Beginn der Krise rassistischer geworden. Wie fast überall in
Europa propagieren Rechtspopulisten auch hier, Migranten seien ein
Sicherheitsproblem und lebten parasitär von Staatsgeld. »Diese Vorstellung
wird in der Gesellschaft zunehmend akzeptiert, selbst bei Linken«, sagt
Mamadou Ba. »Der Bloco de Esquerda hat sich früher vehementer für die
Rechte von Einwanderern eingesetzt, aber seit der Krise senkt man lieber
die Stimme, wenn es um Migration geht«, kritisiert er seine Partei. »Das
ist schade, man überlässt das Thema den Rechten.« Auf einem Plakat, das
derzeit überall in Lissabon hängt, verspricht die Kommunistische Partei
Portugals (PCP) eine »patriotische und linke Politik«. Immer mehr Menschen
glaubten, die Migranten würden unglaublich viel geld vom Staat bekommen,
sagt Mamadou Ba, »in Wirklichkeit kriegen sie nur ein paar Krümel ab" - so
beginnt "Immer der Arbeit nach" ein Artikel von Daniel Steinmaier in der
Jungle-World vom 07. Oktober 2010:
http://jungle-world.com/artikel/2010/40/41811.html
Tags: Portugal, Bloco de Esquerda, PCP, Mamadou Ba, Carvalho da Silva, PEC, CGTP
Tezcatlipoca bookmarken bei ...